Geschichte der EFG

Aus Protokollen, Unterlagen aus dem Stadtarchiv, dem Hochberger Boten, der damaligen Lokalzeitung, insbesondere der ältesten Narrenzeitung, der "Narhalla", der "Emmendinger Dampfkessel" von 1845 und der "Emmendinger Narrenkladdaradatsch" von 1884 können wir entnehmen, daß vor 1890 Vereine wie Sängerrunde Hochberg, Lesegesellschaft, Bürgerverein, Feuerwehr, Schützen-, Turn- und Gewerbeverein und die Heidelberger Dragoner einzeln oder gemeinsame Fasnachtsveranstaltungen durchführten.

Nachweisbare Unterlagen belegen, daß am 23. Hornung im Jahre des Heils 1889 die Sängerrunde im Gasthaus "Zum Engel" eine fidele, humoristische Abendunterhaltung (Herrenabend) abhielt. Aus diesen, die ursprünglich abends, dann am Morgen des Fasnachtsdienstags durchgeführt wurden (bis 1894 noch Faschingsfrühschoppen hießen) entstand der Bockfrühschoppen. Es ist aus Protokollen der Sängerrunde vom 1 7. Januar 1887 zu entnehmen, daß ein Herrenabend beschlossen wurde. Den Vorsitz dieses Herrenkomitees hatten die Herren Hermann, Blenkner, Sexauer und Vollmer. Weitere belegbare Beweise über die Entstehung des Bockfrühschoppens sind aus dem damaligen "Hochberger Schote" Nr. 1 und 2 zu entnehmen. Folgende bedeutungsvolle Daten festzuhalten

*** 1887 ***

schrieb man "... in Emmendingen verliert man den Geschmack am Narrenblatt".

*** 1890 ***

Einführung des Frühschoppens.

In Emmendingen wird der Rhinozeros-Orden gestiftet, die erste Klasse dieses Ordens wird dem "Würdigsten" auf dem Bockfrühschoppen verliehen.

Die damalige Stimmung beim Frühschoppen kennzeichnete ein Berichterstatter der "Breisgauer Zeitung" indem er schrieb: Der unübertreffliche Vereinskomiker (Name leider unbekannt) gab seine zwerchfellerschütternden Vortrage zum Besten. Bis 190I fand diese Veranstaltung bei Bockbier, Würsten und Sauerkraut in der Brauerei Kaiser, im Ramsperger (Dreikönig) und auch im Hotel Post statt.

Seit 1902 sind dann auch hier die Bautzschen Gartensäle die bevorzugten Lokalitäten. Hier beim "Bautze-Karle" etablierte sich der Bockfrühschoppen.

*** 1912 ***

bestand das Komitee aus dem Sechserrat mit den Herren Friedrich Theilacker, Otto Schoeb, Anton Wiese, Julius Ankele, Sattler Schmidt und dem "schönen" Eduard (Vollrath). Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurden die Fasnachtsveranstaltungen eingestellt. Der letzte Bockfrühschoppen fand an Fasnacht 1914 statt.

*** Am 9. Februar 1921 ***

fand erstmals (nach den Protokollbüchern der Sängerrunde) wieder im Hotel Post ein Dämmerschoppen statt, der an den Bockfrühschoppen erinnern sollte. 1924 waren nach dem Eintrag im Protokollbuch der Sängerrunde Fasnachtsveranstaltungen von der Regierung immer noch verboten. Erst 1927 konnte der erste Bockfrühschoppen nach dem Kriege abgehalten werden unter dem Protektorat der Sängerrunde. Erst 1934 wurde von der Kreisleitung die Durchführung einer Fasnacht dem neuen Elferrat, unter Führung des Präsidenten der Sängerrunde, Otto Schoeb, übertragen, die dann nach einem aufgestellten Plan von den Vereinen durchgeführt wurde. Der Bockfrühschoppen 1934, im 20. Regierungsjahr des Präsidenten Otto Schoeb, wurde ganz groß aufgezogen. Hierzu stiftete die Ramie weißen Ramiedrillich zur Herstellung von Fräcken mit roten seidenen Revers, dazu farbige Westen und schwarze Hosen. Die Narrenkappe war in den Stadtfarben gehalten. Der Ablauf des Bockfrühschoppens vollzog sich nach einem bestimmten Zeremoniell. Der hohe Rat versammelte sich gegen 9.00 Uhr im "Löwen" oder in der "Post", um vor Beginn des Bockfrühschoppens ein Narrenfrühstück zur Stärkung einzunehmen, das aus Nudelsuppe und Rindfleisch bestand, ein Gericht, das von den Alt-Elferräten heute noch wahrgenommen wird. Gegen 10.00 Uhr fuhr dann ein Gespann vor, in dem der Elferrat zum "Bautzen" gefahren wurde. In zwei aneinander gekoppelten Chaisen oder auf einem geschmückten Pritschenwagen, gezogen von zwei prächtigen Ochsen, nahmen die Elfer Platz, umgeben und betreut von den wackeren Hellebardieren. Der Präsident mit Vize und Fahnenbegleitung saßen im ersten, die übrigen Elfer im zweiten Wagen. Unter großem Jubel, vor allem der Jugend, mußte sich der närrische Zug seinen Weg durch die dichtgedrängte Menge bahnen, wobei das "Gizig-Gizig" kein Ende nehmen wollte. Der Elferrat war nicht "gizig", aus vollen Händen wurden die Schreier mit Bonbons befriedigt. Nur langsam konnte sich das Geführt durch die Bahnhofstraße zum "Bautzen" bewegen, wo dann unter Vorantritt der Kapelle der Einzug in den mystisch verdunkelten und närrisch geschmückten, überfüllten Saal einmarschiert wurde. In einem vierstündigen Programm wurde närrisches Geschehen aus Stadt und Land geboten. Drei Jahre darauf übernahm Theodor Toussaint die Präsidentschaft und verlieh Otto Schoeb die Ehrenpräsidentschaft des Elferrates. Im Protokollbuch der Sängerrunde vom 2. März  

*** 1939 ***

wird erwähnt, dass alle offiziellen Fasnachtsveranstaltungen von der neugegründeten "Emmendinger Narrenzunft" durchgeführt werden sollen. Der Elferrat Emmendingen unter Theodor Toussaint wurde für deren Organisation verantwortlich. Anhand von weiteren alten Programmunterlagen geht hervor, daß 1951 wieder der Bockfrühschoppen noch unter dem Protektorat der Sängerrunde mit Präsident Theodor Toussaint und einem städtischen Elferrat stattgefunden hat. Neue Impulse erhielt die Emmendinger Fasnacht vier Jahre später als Baptist Hinn, der ehemalige Ehrenpräsident der Emmendinger Fasnachts-Gesellschaft, den Elferrat der Stadt Emmendingen übernahm, der dann im gleichen Jahr erstmals am II .II. einen Fasnachtsauftakt-Ball veranstaltete sowie 1956 die Regie für den Bockfrühschoppen übertragen bekam. Hinn hatte keine leichte Aufgabe übernommen. Kurz vor der Fasnachtskampagne 1954 waren es der Präsident der Sängerrunde Josef Maier, Vizepräsident Hans Wolfsperger, Wilhelm Jacob und maßgeblich der damalige Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Karl Faller, die auf Hinn zukamen und ihn baten, die Präsidentschaft für den Bockfrühschoppen zu über- nehmen. Nach seiner Bereitschaft und Zusage, dies zu übernehmen, sah es Hinn als "einer seiner wichtigsten Aufgaben, die Zensur der Büttenreden vorzunehmen und auch Büttenredner auftreten zu lassen, die nicht der Sängerrunde angehörten.

Zur Kampagne 1960

wurde aus dem "Städtischen Elferrat" die Emmendinger Karnevalsgesellschaft (EKG) ins Leben gerufen. Zu den Besonderheiten des von der EKG veranstalteten Bockfrühschoppens zählt die Vereidigung der Bedienungen. Der Bockfrühschoppen, eine traditionelle Männerangelegenheit, konnte damals, wie auch heute, nicht ohne weibliches Bedienungspersonal durchgeführt werden. Die Bedienungen werden bis heute auf ihre Schweigepflicht vereidigt. Die Pause im Bautzengarten ist für viele Bockfrühschoppenbrüder in guter Erinnerung. In dicht gedrängtem Kreis verschaffte man sich Erleichterung, um neuen Raum für weitere gesellige Bockbierschoppen zu bekommen. Bis in die sechziger Jahre traf man sich traditionsgemäß am Fasnachtsdienstagsmorgen zum Bockfrühschoppen. Jedoch aus organisatorischen Grün- den mußte er für spätere Zeiten auf den Rosenmontag vorverlegt werden. Unter der Obhut der EKG entwickelte sich der Hemdglunkerumzug, der Teenagerball, der Bürgerball, der Fasnachtsumzug wie auch der Bockfrühschoppen zu den markanten Veranstaltungen der Emmendinger Fasnacht- Tatkräftig wurde der Präsident von seinem Vize, Gene Wibel, unterstützt, der 1970 die Nachfolge antrat. Unter seiner Regie wurde der Bockfrühschoppen von dem baufällig gewordenen Bautzen in die Fritz-Boehle-Halle verlegt. Ein Bus-Zubringerdienst verfrachtete das gehmüde Männervolk in die Fritz-Boehle-Halle. Nach einem Jahr ohne Präsidenten übernahm Peter Link die Regie im Jahre 1974. Bedingt durch die Aufnahme in den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte wurde die Emmendinger Karnevalsgesellschaft umbenannt in "Emmendinger Fasnachts-Gesellschaft (EFG)". Damit war auch eine Änderung des Erscheinungsbildes verbunden. Es wurden neue Kappen gebraucht und neue Elferrats-Fräcke wurden geschneidert. Auch das Vereinsemblem, Plakatierung und Narrenzeitung erschien in den leuchtenden Vereinsfarben "Rot-Weiß": Als Wahrzeichen blieb der aus dem Krug schlürfende Bock bestehen, der enge Verbundenheit mit dem Bockbierschoppen darstellt.

Nach einigen turbulenten und wechselvollen Jahren übernahm dann 1983 der damals 20- jährige Gerhard Bürklin die Amtsgeschäfte des EFG-Präsidenten. Die damals sehr junge Elferratsmannschaft ging die Aufgaben engagiert an und brachte das damals schlingernde EFG-Schiff wieder auf erfolgreichen Kurs. Diese neue Elferratsgeneration etablierte sich dann schnell am Emmendinger Narrenhimmel. Unterstützt von seinem langjährigen Vizepräsidenten Peter van der Kleij und Horst G. Bürklin nahm die EFG unter seiner Ägide einen, ungeahnten Aufschwung. Der traditionelle Bürgerball wurde ab 1987 in einen Mottoball umfunktioniert. Prächtige Bühnenbilder umrahmten das jeweilige Motto. das Ergebnis war, daß die Besucherzahlen kontinuierlich wieder stiegen, so daß der EFG-Bürgerball wieder zur meistbesuchten Fasnachtsveranstaltung in Emmendingen wurde.

Jugendfete / Kinderball

Die früher als "Backfischball" bekannte Veranstaltung machte, dem Zeitgeist entsprechend, einige Veränderungen durch. Ab 1974 hieß diese Veranstaltung dann "EFG-Jugendfete", bevor sie dann in den Achtziger Jahren in "Jugend-Discofete" umbenannt wurde. In den Zeiten der Discohochkonjunktur sah es die EFG dann aber als verfehlt an, als Fasnachtler ebenfalls auf dieser Welle mitzuschwimmen EFG-Präsidium beschloß, diese Veranstaltung einem ganz jungen Publikum zu öffnen. Es entstand der EFG- Kinderball. Das besondere daran war, daß Kinder zusammen mit ihren Eltern in der Fritz-Boehle-Halle Fasnacht feiern konnten. Als Sponsoren konnten damals die Sparkasse Emmendingen mit dem "Knax-Klub" und die Volksbank Emmendingen mit dem "Marc & Penny-Club" gewonnen werden. Sämtliche EFG- Kinderbälle mußten wegen drohender Überfüllung zeitweise geschlossen werden.

Hausball

Der EFG-Kameradschaftsabend, der teilweise im Bleiche-Grill, später dann im Nebenzimmer der Ramie-Kantine (EFG-Casino) stattfand, entwickelte sich immer mehr zum Selbstläufer. Als sich dann Mitte der achtziger Jahre um die 120 Gäste im EFG-Casino drängten, beschloß Präsident Gerhard Bürklin den Kameradschaftsabend auszulagern und als Hausball zu titulieren. Einen neuen Ort für diesen Hausball fand man dankenswerterweise zunächst im Veranstaltungsraum der Sparkasse Emmendingen-Nördlicher Breisgau. Dann zog man um in die Räumlichkeiten des Hotels Windenreuter Hof, um bis heute mit der Inthronisation der neuen EFG-Fasnachtskönigin den Beginn der neuen Fasnachtskampagne zu feiern.

EFG-Seniorenball

Jüngstes Kind, aber schon lange ein fester Bestandteil der EFG-Fasnacht und damit auch der Emmendinger-Saalfasnacht, ist seit 1993 der EFG-Seniorenball. Die Idee von Ehrenelferrätin Renate Janßen wurde im Präsidium begeisternd aufgenommen. Mit der Freiwilligen Feuerwehr Emmendingen und dem Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes konnten zwei erfahrene Mitveranstalter gewonnen werden. So konnte auch ein kostenloser Busfahrdienst zu dieser Veranstaltung gewährleistet werden. Für freien Eintritt sorgten in jedem Jahr wechselnde Sponsoren. Die EFG-Seniorenfasnacht ist kreisweit die einzige Veranstaltung dieser Art und jährlich erfreuen sich rund 500 Besucherinnen und Besucher am dargebotenem Programm.

Bockfrühschoppen seit 1983

Der Bockfrühschoppen, unbestritten das närrische Flaggschiff unter den EFG-Veranstaltungen, behielt weiterhin seinen traditionellen Charakter. Hierauf legt Bürklin großen Wert. Auch im Schatten eines hochtechnologisierten Computerzeitalters und zum Zeitpunkt eines Jahrtausendwechsels behielt der Bockfrühschoppen trotz mancher verschiedener Zeitgeistströmungen seinen eigentümlichen und eigenständigen Charakter. Tragende Säulen dieser Veranstaltung sind seit über 15 Jahren EFG-Präsident Gerhard Bürklin als Sitzungspräsident und EFG-Fasnetsbott, der Präsident des Narrenrates Blau-Weiß Jo Saar mit seinen spektakulären Büttenreden und Altvizepräsident und EFG-Ehrenelferrat Peter van der Kleij und EFG-Präsidiumsmitglied Horst G. Bürklin, die mit "Dill & Dapp" zwei legendäre Fasnachtsfiguren schufen, die als närrische Allzweckwaffen auf allen Fasnachtsveranstaltungen eingesetzt werden konnten. Auch als Einzelbüttenredner schufen sie immer wieder neue Fasnachtsfiguren und setzten so närrische Höhepunkte. Gerade van der Kleijs Kreativität prägte in dieser Elferratsgeneration das programmliche Erscheinungsild der EFG. Selbstverständlich suchte man auch immer wieder nach neuen Gesichtern, die dann versuchen durften, sich vor dem unerbittlichen Bockfrühschoppenpublikum zu profilieren. Seit dem 99. Jubiläums-Bockfrühschoppen im Jahre 1989 ist diese reine Männerveranstaltung immer ausverkauft. Neben den vielen alten "Bockfrühschoppenhasen", von denen mancher sämtliche Veranstaltungen seit dem letzten Weltkrieg besucht hat, finden am Rosenmontagmorgen immer wieder neue Fans den Weg zur Fritz-Boehle-Halle und machen diese fasnächtliche Kultveranstaltung zu ihrem persönlichen närrischen Feiertag.